Die Liga der Intrapreneure

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Es gibt sie: Mitarbeiter, die sich zusätzlich zum Tagesgeschäft Gedanken über den Sinn und Zweck ihres Tuns machen. Die über die Zukunft ihres Unternehmens nachdenken und bestehende Strukturen oder Strategien in Frage stellen, um dann selbst aktiv zu werden. Der Fachjargon bezeichnet sie als Intrapreneure („Intrapreneurs“) – Binnenunternehmer sozusagen, die mit innovativen Ideen versuchen, die Organisation, in der sie arbeiten, von innen heraus zu verändern. Die meisten Intrapreneure handeln aus der Überzeugung heraus, dass es sich bei Wirtschaft und Gesellschaft um zwei Seiten derselben Medaille handelt. Sie werden daher häufig in sozialen Bereichen aktiv und setzen sich dafür ein, das Kerngeschäft ihres Unternehmens mit sozialer oder kultureller Innovation zu verbinden. In hierarchisch organisierten Unternehmen geschieht dies meistens erst einmal unterhalb des Radars von Vorgesetzten und Geschäftsführung. Zu häufig handelt es sich um Ideen und Projekte, die vordergründig nicht in die Geschäftsstrategie des Unternehmens passen. Trotzdem interessieren sich – im positiven Sinne – immer mehr Konzerne und große Organisationen für die heimlichen Veränderer in ihren Reihen.

Mitarbeiter für eine bessere (Unternehmens-) Welt

Dies ist unter anderem der Verdienst der 2012 gegründeten Liga der Intrapreneure („League of Intrapreneurs“). Unter der Devise „business as usual is broken“ hat sich die Organisation zum Ziel gesetzt, Intrapreneure als konstruktive Querdenker zu fördern und gleichzeitig die Unternehmen für solche speziellen Mitarbeiter und ihre Ideen zu sensibilisieren. Nach Ansicht der Liga handelt es sich bei ihnen nämlich um einen wichtigen Schlüssel auf dem Weg zu einer zukunftsorientierteren Art von Wirtschaft und Unternehmertum. So bezeichnen sich die Mitglieder der League of Intrapreneurs selbst augenzwinkernd als „Cubicle Warriors“, die sich gegenseitig dabei unterstützen, den Kurs ihres Unternehmens oder ihrer Organisation ein wenig in Richtung „business for good“ zu verändern.

Ein Problem bei diesem Vorhaben liegt in der Struktur und Kultur der meisten modernen Organisationen: Bürokratie, strenge Zielvorgaben und ein beständiger Druck durch Vorgaben zur Gewinnmaximierung lassen wenig Spielraum für unkonventionelle Ideen. Erst recht nicht, wenn es nach sozialem Wandel riecht und die Idee auf den ersten Blick kein Konzept ist, mit dem der Initiator die eigene Karriere vorantreiben kann. Hier sieht sich die Liga der Intrapreneure als Plattform für einen gegenseitigen Austausch. Zusätzlich sollen Argumentationshilfen und Toolkits bei der Umsetzung erfolgversprechender Ideen helfen. Denn: es braucht gute Argumente und einen langen Atem, um ein solches Vorhaben im eigenen Unternehmen als Erfolg versprechend und sinnvoll zu verkaufen: Häufig wird die Möglichkeit, gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich zu sein und gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen als frommer Wunsch denn als handfeste strategische Überlegung bewertet.

Nachhaltigkeit und positive Geschäftsentwicklung schließen sich nicht aus

Wie realistisch Social Intrapreneurship jedoch sein kann, zeigen zahlreiche Beispiele. Der Sportartikelhersteller Nike hat beispielsweise aufgrund einer internen Projektidee gemeinsam mit den Vereinten Nationen das Programm „Girl Effect“ ins Leben gerufen. Girl Effect kümmert sich um die Rolle von Mädchen in Gesellschaften, die massiv von Armut betroffen sind. Das Programm basiert auf der Annahme, dass Mädchen, wenn sie die Chance haben, ihre Potenziale zu entfalten, langfristig massiv zum Wohlstand einer Gesellschaft beitragen können. Auf diese Weise verfolgt das Projekt das Ziel, die sogenannte Armutsspirale zu durchbrechen, die in vielen Teilen der Welt arme Bevölkerungsschichten an einer Verbesserung der eigenen Situation hindert.

Ein weiteres Beispiel, das Nachhaltigkeit und Geschäftsentwicklung miteinander verbindet liefert Autodesk, ein führender Anbieter von Konstruktionssoftware für Designer, Architekten und Konstrukteure. Durch beharrliches Intrapreneurship wurde dort inhouse eine Software entwickelt, die bei der Entwicklung von Produkten den langfristigen Einfluss des Designs auf die Umwelt darlegt und somit zur Entwicklung von zukunftsorientierten, nachhaltigen Produkten und Bauten beiträgt.

Intrapreneurship hat wirtschaftliches Potenzial

Die Gründungsmitglieder der Liga der Intrapreneure, unter anderem die Autorin und Digitalisierungsexpertin Alexa Clay sowie die Gründerin des Thinktanks „The Human Agency“ Maggie de Pree erhalten bei ihrem Vorhaben renommierte Unterstützung: die BMW-Stiftung Herbert Quandt und die Unternehmensberatung accenture sind Partner der Organisation. Zusätzlich ist seit der Gründung ein Netzwerk entstanden, das unter anderem internationale Konferenzen veranstaltet und Webinare über die praktischen Herausforderungen des Intrapreneurships anbietet. Gleichzeitig richtet sich die League of Intrapreneurs auch an Unternehmen selbst, um ihnen das wirtschaftliche Potenzial und die Innovationskraft von internen Projektideen vor Augen zu führen. Denn, so argumentieren die Mitglieder der Liga: Die großen Unternehmen und Organisationen dieser Welt verfügen über einen erheblichen Einfluss auf unsere Gesellschaft. Sollte es gelingen, den Kurs unseres wirtschaftlichen Denkens und Handelns auch nur um ein Grad zu verändern, hätte dies eine enorme Hebelwirkung auf dem Weg zu einer sozialeren, nachhaltigeren – und damit voraussichtlich auch zukunftsorientierteren – Art des Wirtschaftens und Arbeitens.

Bild: Dirk Hinz / photocase.de

Weiterführende Links
http://www.leagueofintrapreneurs.com
https://vimeo.com/57211971
www.intrapreneurshipconference.com
http://www.bmw-stiftung.de/was-wir-tun/social-intrapreneurship/