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Schwache Bindung – starke Innovationskraft

Schwache Bindung – starke Innovationskraft

Es handelt sich um eine der bekanntesten Theorien zu sozialen Netzwerken. Und dennoch sind insbesondere Unternehmen und Innovationsexperten immer wieder erstaunt darüber, welchen Einfluss sie auf Innovations- und Kommunikationsprozesse haben kann: Die Rede ist von Marc Granovetters „Strength of weak ties“.

Im Wesentlichen besagt die Theorie folgendes: Aus der Verbindung zu losen Kontakten bzw. wenig intensiven Bekanntschaften (weak ties) ergeben sich häufiger neue Informationen und Ideen als im Austausch mit engen Freunden und Vertrauten (strong ties). Der Grund liegt mehr oder weniger auf der Hand: Innerhalb des eigenen sozialen Netzwerks fokussiert sich der Einzelne auf Neuigkeiten und Ansichten von engen Vertrauten. Je geschlossener bzw. enger die entsprechende Gruppe ist, desto schwieriger haben es echte Neuigkeiten, dorthin vorzustoßen. Weak ties hingegen sind eine Brücke zu anderen sozialen Zirkeln: Ein loser Kontakt außerhalb des eigenen Netzwerks stellt eine hervorragende Möglichkeit dar, an Informationen heranzukommen, die in der eigenen sozialen Gruppe bislang noch nicht angekommen sind.

Während eng miteinander verknüpfte Gruppen dazu tendieren, sich nach außen abzugrenzen, sind es die schwachen Beziehungen zwischen einzelnen Gruppen oder Personen, die einen Informationsfluss ermöglichen. Um sich (beruflich) weiterzuentwickeln also letzten Endes nicht, wie eng jemand mit seinen engsten Vertrauten, den strong ties verbunden ist. Viel stärker kommt es auf die weak ties an: Nur mit ihnen ist eine kulturelle Durchmischung möglich, können neue Ideen und Ansätze geteilt werden.

Was bedeutet dies für die Kultur und Innovationsfähigkeit eines Unternehmens? Ganz klar: weak ties stärken! Diejenigen, die im Alltag nicht miteinander arbeiten, müssen miteinander in Kontakt kommen. Der Buchhalter mit der Marketing-Chefin zum Beispiel. Die Praktikantin mit dem Abteilungsleiter. Trainings und Coachings sollten mit Unterstützung von Externen durchgeführt werden – nicht nur um frischen Wind ins Unternehmen zu tragen, auch um die Menge an weak ties zu erhöhen. Insgesamt tut eine Unternehmung gut daran, bereits beim Recruiting auf Diversität und heterogene Hintergründe bei den Mitarbeitern zu achten. Das führt sicherlich auch zu der ein oder anderen Herausforderung, aber: Es handelt sich definitiv um eine Investition in die Innovationskultur und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Bild: birdys/photocase.de